"Outdoor-Agility"

Mit dem Hund an der Leine zu laufen heißt nicht, stur seines Weges zu gehen. Man kann und sollte die Spaziergänge so abwechslungsreich wie möglich gestalten. Jeder Hund kann so viel mehr lernen als nur Sitz und Platz. Hier ein paar Anregungen, wie man alltägliche Dinge für sein Training nutzen kann:

  • Wie bereits oben erwähnt, das Slalom laufen. Man braucht keinen abgesteckten Parcours; wer nicht am Wald wohnt, nimmt die Strassenlaternen oder Poller. Es geht nur darum, daß der Hund aufpasst, welche Seite man selber wählt und entsprechend folgt.
  • Baumstämme, Mauern oder Parkbänke eignen sich zum Balancieren. Je geschickter der Hund wird, desto anspruchsvoller (runder, schmaler, höher) die Aufgabe. Nach einiger Übung kann er auch über gestapelte Holzstämme (vorher Festigkeit prüfen!) klettern.
  • Da ich Pferde habe, hat mein Hund früh die unangenehme Erfahrung mit Elektrozäunen gemacht. Daraus entstand die Idee, ihn auf entsprechende Kommandos über oder unter dem Zaun her zu schicken. Fingerzeig nach oben und "hopp" heißt springen, nach unten und "rob" heißt, unter dem Zaun durch zu robben. Hierfür lassen sich Parkbänke wunderbar zweckentfremden.
  • Eine für jeden Hund beeindruckende Übung kann man Sonntags vor Geschäften, Schulen, etc. mit verspiegelten Scheiben machen. Alle üblichen Gehorsamsübungen werden mit dem Rücken zum Hund gemacht und man hat ihn dennoch im Blick. Die meisten sind sehr erstaunt, wenn sie sich unaufgefordert aus dem "Platz und Bleib" erheben und sofort korrigiert werden, ohne daß man sie ansieht. Spiegel kommen im Hundeleben einfach nicht vor ... ;-))
  • Für jedes Kommando sollte es ein entsprechendes Handzeichen geben und der Hund sollte beide auch einzeln befolgen. Mit dem Hund auf non-verbale Art zu kommunizieren erfordert mehr Aufmerksamkeit und verbindet.
  • Alles läßt sich verwenden, Eurer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Jedes Lob spornt an und ein Hund, der bei einer simplen Gassirunde 10 mal gelobt wird, ist bestimmt glücklicher als einer, der stur hinter Frauchen hertrabt.

Egal, was ihr von Eurem Hund verlangt, alles muß zu bewältigen und 100 % sicher sein. Er darf nie durch eine Verletzung oder einen Sturz das Vertrauen verlieren.

Aber noch wichtiger ist, den Hund auch mal Hund sein zu lassen. Wenn er stundenlang begeistert nach Mäusen sucht, sich gerne wälzt (ok, da gibt es Einschränkungen ;-) ) oder schwimmt, gesteht ihm das zu. Und ganz besonders eins:

Das Spiel mit Seinesgleichen ist durch NICHTS und NIEMAND zu ersetzen !

 

"Guck mal hier"

Eines der wichtigsten Kommandos, welches man dem Hund so früh wie möglich beibringen sollte. Und welche auch sehr einfach zu lernen ist !
Erstmal zur Erklärung : Warum ausgerechnet "Guck mal hier" ?

Das"Guck" klingt für den Hund zunächst interessant
"hier" sollte jeder Hund bereits kennen
und durch das "mal" klingt das Ganze etwas weicher und immer freundlich.
 
"Gmh" ist immer ein positives Kommando !

Der Sinn und Zweck der Übung ist, daß der Hund einen anschaut (=Aufmerksamkeit) und für dieses sofort eine Belohnung erhält. Zu Anfang natürlich immer ein Leckerli, Spielzeug o.ä. später reicht dann ein verbales Lob oder Streicheln, aber es folgt immer etwas positives. Der Hund muß dieses Kommando im Schlaf beherrschen, dann hilft es einem in jeder Lebenslage.

z.B. bei Begegnungen mit Fußgängern, Radfahrern, Joggern , anderen Hunden oder, wenn ich das Reh als Erster sehe. Mit "Gmh" hole ich mir seine Aufmerksamkeit, er schaut mich an und erwartet etwas Positives. In der Anfangsphase kann man, sollte der Hund das Objekt seiner Begierde bereits fixieren, einen Richtungswechsel machen (Leine vorausgesetzt!) und dem Hund erst nach der Wendung das Kommando geben.
Ruft man seinen Hund aus einer brenzligen Situation ab, folgt immer ein Alternativkommando wie "Gmh" oder "Sitz". Man muß dem Hund sofort die Möglichkeit geben, etwas zu tun, was er kennt und wofür er belohnt wird, dann kommt er auch beim nächsten Mal.
Ein böser Blick oder ein Roman in Form von Was hast du da gemacht, das sollst du doch nicht ! verwirrt den Hund lediglich und ist keine klare Aussage. Schließlich möchte der Hund doch alles richtig machen und die Gelegenheit müssen wir ihm schon geben.
Viel Spaß beim Üben :-)

 

Praktische Übungen für wichtige Kommandos ... nebenbei erledigt !

Bleib – ohne Ablenkung

Hausarbeit langweilt jeden, keine Frage. Aber man kann sie wunderbar in die Hundeerziehung integrieren. Ab jetzt wird Bügelwäsche etappenweise mit dem Hund abgearbeitet !
Der Hund bekommt einen (bequemen) Platz in der Nähe des Bügelbretts zugewiesen, wo wir ihn ständig sehen können.

1.Tag

Der Hund muß auf diesem Platz liegen bleiben, während wir das erste Teil bügeln. Jeder Aufsteh-Ansatz wird sofort kommentiert und der Hund wieder abgelegt.
2.Tag Wir bügeln 2 Teile ...
3.Tag Wir bügeln na, was wohl ? richtig: 3 Teile ...
4.Tag

Achtung, Änderung ! Wir stellen den Wäschekorb etwas entfernt vom Bügelbrett auf und bringen jedes Teil nach dem Bügeln dorthin. Der Hund muß natürlich liegen bleiben und darf nicht hinter uns herlaufen.

5.Tag Der Wäschekorb steht weiter weg...
6.Tag Wir bringen jedes Teil nach dem Bügeln in den Kleiderschrank !!

Je nach Hund wiederholt man einige Tage oder fängt gleich bei 3 an ...

Einzige Bedingung: Man muß den Befehl konsequent durchsetzen. Mein Untier ist nach dem 4ten Teil aufgesprungen und losgesprintet (ist ja nicht blöd), also hab ich sie zurückgeholt und wieder hingelegt. Danach war das Thema erledigt und sie schlummerte friedlich ein.

Nach erfolgter und erfolgreicher Bügel- und Trainingsaktion passiert natürlich etwas Positives z. B. Spaziergang, Spiel, ...

Bleib – gesteigerte Ablenkung

Wir gehen zum Auto, legen den Hund 10 m vorher ab, schließen auf, öffnen die Türe, verstauen die Jacke, .... holen den Hund wieder ab und steigen ein. Der Hund muß natürlich liegen bleiben, Aufstehen wird kommentiert, der Hund evtl. an seinen Platz zurückgebracht und nur abgeholt, wenn er wirklich liegt. Beim Abholen loben, aber darauf achten, daß er erst auf Kommando aufsteht.

Bitte nur Üben, wenn man wirklich Zeit und Nerven dafür hat !

- Ebenso das simple Sitz vor der Fütterung. Bleibt der Hund artig sitzen, stell ich den Napf vor ihn und gib den „nimms“ Befehl, steht er auf verschwindet der Napf wieder !

- Das Bleib möglichst oft im Auto bei geöffneter Heckklappe üben. Anfangs am Ende des Spaziergang nach dem Einsteigen, später vor dem Aussteigen.

Letztendlich soll der Hund ruhig und verläßlich in jeder Situation immer und überall abzulegen sein.

 

 

Hund sein ist nicht einfach

Jeder von uns, der einen Hund hat, hat ihn zu sich genommen, um einen Partner fürs Leben zu haben. Einen Begleiter, der mit einem durch dick und dünn geht. Der loyal und zu allen Schandtaten bereit ist, uns versteht, wenn wir Stress oder Kummer haben und sich jederzeit der Lebenssituation anpasst.

Haben wir nicht alle den weltbesten Hund ?

Warum machen es sich dann viele so schwer ? Sollten wir nicht die intelligentesten Wesen dieses Planeten sein, unsere Hunde verstehen und jeden ihrer Schritte voraus ahnen können ? Machen wir nicht alle dieselben Fehler und wissen erst später, daß der Hund auf dem richtigen Weg war, es vorher gewußt hat ? Hunde sind so einfach zu durchschauen, weil sie ehrlich, direkt und vollkommen frei von menschlichem Denken sind. Fängt es nicht schon bei der Welpenerziehung an ? Eine Hündin wird ihre Welpen an einem sicheren Ort aufziehen. Sie können sich frei bewegen, spielen, lernen und müssen lediglich die klaren Regeln des Rudels befolgen. Zieht der Welpe in unsere Wohnung ein, besteht sein Leben schlagartig aus 100en von Tabus. Kauknochen sind zum Spielen da, anknabbern des teuren Designerschuhs hingegen (aus dem selben Material) löst bei uns nur einen Schrei der Entrüstung und ein scharfes "NEIN" aus. Wie um alles in der Welt soll ein wenige Wochen alter Hund den Unterschied verstehen ? Natürlich, dem Hund müssen von Anfang an seine Grenzen aufgezeigt werden. Ein Hund hat zu gehorchen und seinen Menschen zu respektieren, er muß wissen, wer Herr im Haus ist !?
Aber, muß der Welpe erst die Erfahrung machen, daß er für bestimmte Handlungen bestraft wird ? Bei Kleinkindern ist es selbstverständlich, daß die untersten Regalböden leer sind, die Schränke verschlossen und nichts verschluckbares herumliegt. Ein Welpe, dem ich 10 mal etwas wütend weggenommen habe, lernt lediglich, daß er, wann immer er etwas spannendes findet, er seinen Menschen genaustens im Auge haben muß, weil seine einzige Chance neue Dinge zu erkunden darin besteht, es unbeobachtet zu machen. Wer kennt nicht den kleinen Hund, der mit irgendetwas im Maul an einem vorbeisaust und sich bei der schon leicht erregten Frage: "Was hast du da?" in der hintersten Ecke versteckt. Und was passiert ? Kaum ist der Kleine mit seiner neusten Entdeckung an einen sicheren Ort verschwunden kommt der Mensch hinterher, zerrt den Hund hinter dem Sofa vor und nimmt ihm seine Errungenschaft ab ! Für den Welpen muß eine Welt zusammen brechen. Da wagt er sich todesmutig an etwas heran, wird für seine Entdeckerfreude "angeraunzt", flieht aus Angst an einen sicheren Ort und wird dann auch noch für sein Verhalten bestraft !
Ein ängstlicher Hund wird sich irgendwann bei der kleinsten Ansprache (was wir als leichten Unterton bezeichnen, ist für den Hund eine klare Aussage) sofort auf den Boden werfen und untergeben (aha, der hat ein schlechtes Gewissen !!) und der selbstbewußte ? Der wird, mit seiner Beute in die Enge getrieben eines Tages keinen anderen Ausweg sehen, als sich zu verteidigen. Für Hunde gibt es nur Flucht oder Angriff/Unterwerfung. Muß der Hund aus Fehlern lernen ? Ist es nicht möglich, alles, soweit möglich, was zu einem unerwünschten Verhalten führen könnte, vorher aus dem Weg zu räumen ? Lernen wir nicht alle viel leichter und vor allem lieber, wenn wir nur positive Erfahrungen und Lob erleben ? Wozu die "trial and error" -Methode ? Der Hund zeigt immer sein typisches, berechenbares Verhalten, warum ihn überhaupt ersteinmal Fehler machen lassen ? Wer seinen Hund nach einer gewissen Eingewöhnungszeit einzuschätzen, ihn zu "lesen" weiß und ihn zum richtigen Zeitpunkt daran hindert, einen Fehler zu machen, der ist auf dem richtigen Weg ...