| Meniskusschaden
beim Hund
4 Monate nach der KreuzbandOP war Chica kurz auf Hasenjagd. Ob das schnelle Sprinten und die rasanten Richtungswechsel der Auslöser waren, ich weiß es nicht. Am nächsten Tag lief sie wieder auf 3 Beinen. Diagnose Da sie nach ein paar Tagen immer noch stark lahmte, fuhr ich wieder in die Klinik. Die Diagnose war nicht so eindeutig. Der Arzt widersprach sich und wollte auf jeden Fall operieren. Ich machte einen Termin und ging nach Hause. Am nächsten Morgen hatte ich meine Meinung geändert. Ich wollte nicht auf Verdacht das bereits operierte Gelenk wieder öffnen lassen. Jede OP ist ein Risiko und die Wahrscheinlichkeit, daß sich die bereits vorhandene Arthrose verschlimmerte, war groß. Also wechselte ich auf Empfehlung meiner besten Freundin, die glücklicherweise selbst Tierärztin ist, die Klinik. Der neue Arzt klang schon etwas positiver und es bestand die Möglichkeit, daß das Band zwar gerissen war, aber das Gelenk, welches nicht instabil war, von alleine ausheilen konnte. Der erste Verdacht fiel jedoch auf den Meniskus. Sollte dieser defekt sein, war auch die zweite OP nicht zu vermeiden. Die Möglichkeiten, dies von "aussen" festzustellen, sind sehr begrenzt und so entschloß ich mich, ein CT von dem betroffenen Gelenk zu machen. Besser eine Narkose zur genauen Diagnose, als umsonst ein Gelenk öffnen ! Behandlung Das Ergebnis war keineswegs zufriedenstellend. Bei den Menisken war nicht eindeutig zu erkennen, ob sie beschädigt waren, aber im Gelenk war eine extreme Entzündung zu sehen. Daher bekam Chica starke Entzündungshemmer, um auszuschließen, dass die Lahmheit daher kam. In der darauf folgenden Woche ging es Chica zwar besser, aber sie lief nicht annähernd so gut wie vor der Hasenjagd. Die einzige Möglichkeit die blieb, war zu operieren. Zum Glück hatte ich mir angewöhnt, immer mit einem nüchternen Hund zum Tierarzt zu gehen, so konnte die OP direkt durchgeführt werden. Glücklicherweise, denn dadurch gab es nicht wieder diese Galgenfrist, warten auf den Tag X ! Die OP verlief sehr gut, das alte Band wurde entfernt, der, wie sich bestätigte, geschädigte Meniskus auch und im Gelenk hatten sich kleinste Gewebeteile abgelagert, die enorme Schmerzen verursacht haben müssen. Diesmal wurde der immer noch vorhandene Kreuzbandriss nach einer anderen Methode operiert (Intrakapsuläre Fascia Lata Technik), der sogenannten Kapselraffung. Diese Variante wird vorwiegend bei kleinen, leichten Hunden (bis ca. 25 kg) angewandt. Man muß sich vorstellen, am gestreckten Bein werden alle Hautschichten so straff vernäht, daß diese dem Kniegelenk den nötigen Gegendruck/Halt geben. Der Körper beginnt sofort mit der Reparatur des geschädigten Gewebes und so entsteht nach kurzer Zeit ein funktionsfähiges Gelenk (sehr vereinfacht ausgedrückt!) Diesmal hatte Chica keinen Verband, lediglich ein Pflaster auf der Narbe. Die Narkose war nicht intravenös eingeleitet, wo nachdosiert werden mußte, sondern als eine Inhalationsanästhesie vorgenommen worden. Dadurch war sie schneller wach und der Körper wurde nicht so sehr belastet. Diese Art der Narkose ist bei allen Windhundartigen vorzuziehen, weil das Verhältnis von Fett zu Muskulatur zugunsten der Muskulatur deutlich verschoben ist. Viele Anästhetika aber werden im Fettgewebe gespeichert. Fehlt dieses, kommt es zu einem viel höherem Blutspiegel. Das heisst, die Dosierung nach KG Körpergewicht führt bei einem Windhund oft zu einer Überdosis mit fatalen Folgen. Therapie Chica bekam wieder Schmerzmittel, die auch Entzündungshemmend wirken und wieder Zusatzmittel zur Unterstützung des Gewebeaufbaus. Nach 4 !! Tagen ging sie die ersten Schritte auf dem operierten Bein. Ich konnte es kaum glauben und rief besorgt meine Freundin an, aber sie sagte nur fachlich, tierärztlich: Ja, schön, je eher umso besser ! Wir machten zu diesem Zeitpunkt noch keine therapeutischen Übungen. Sie bekam lediglich muskelanregende Massagen an dem verletzten Bein und, ganz wichtig, Entspannungsmassagen an dem gesunden, denn das mußte ja doppelte Arbeit leisten. Wer seinen Hund aus diesem Grunde massiert, möge das bitte am ganzen Körper tun. 1. ist der komplette Hund durch das "hüpfen" verspannt und 2. ist es sehr entspannend. Chica hat es sehr genossen und hat ganz neue Qualitäten an mir entdeckt ! ;-)
Mittlerweile ist die OP 26 Tage her, wir gehen täglich 2x 10 min und 2x 20 min langsam spazieren, das Rumstehen beim Mäuse jagen nicht mitgerechnet. Wenn sie weiterhin solche Fortschritte macht, werde ich sie in zwei Wochen von der Leine lassen können. Vorher werden wir aber noch ein paar Mal aufs Unterwasserlaufband gehen, für den See ist es etwas zu kalt ! Jegliche Medikamente sind jetzt abgesetzt, nur die Zusatzmittel werde ich noch lange Zeit weiter füttern. Eins durchgängig und ein weiteres immer wieder in 30 tägigen Kuren. Ich möchte hier keine Werbung für Kliniken und Medikamente machen, wer jedoch genaueres wissen möchte, kann sich gerne an mich wenden. Update : Mittlerweile ist genau ein Jahr vergangen. 4 Monate nach der OP durfte Chica wieder frei laufen und seit einem halben Jahr nehmen wir keinerlei Rücksicht mehr auf ihr "Handicap". Wir waren in Urlaub, haben Bergwanderungen gemacht, Crossläufe, es gab die ein oder andere Hasenjagd ;-) und seit nunmehr 4 Monaten lebt Toby bei uns, der nicht immer sehr sanft mit der "Kleinen" umgeht. In dieser ganzen Zeit hat Chica nie wieder gelahmt, keine Anzeichen von Schmerzen gezeigt, kein morgendliches Humpeln, nichts. Die Muskulatur ist auf beiden Seiten fast gleich und das gesunde Bein hat die Doppelbelastung unbeschadet überstanden. Es gibt also ein uneingeschränktes Leben danach ! :-)
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