| Kreuzbandriss
beim Hund
Als bei meinem Hund ein Kreuzbandriss diagnostiziert wurde, habe ich die halbe Nacht im Internet nach Informationen gesucht. Alles was ich fand, waren fachliche Berichte oder ein kurzes "bei uns hat es lange gedauert". Nichts, was mir wirklich weitergeholfen hat, oder mich in einer der folgenden Wochen hätte beruhigen können. Daher möchte ich meine Erfahrungen hier mitteilen, vielleicht helfen sie dem ein oder anderen, der recht hilflos vor ähnlichen Problemen steht. Diagnose Chica hatte einen harmlosen Unfall, bei dem sie mit vielen Hunden tobte und vermutlich (es klang zumindest so) mit dem Hinterbein gegen ein Agilitygerät rannte. Zuerst war nichts zu bemerken, erst am nächsten Tag hat sie morgens gelahmt. Damals hieß die Diagnose Traumata am rechten Kniegelenk. Viel Ruhe, schmerz- und entzündungshemmende Medikamente und "das wird schon wieder". Es wurde nicht besser. Wenn sie lange gelegen hatte lief sie auf 3 Beinen und nach einer kurzen Aufwärmphase rannte sie ganz normal herum. Schon damals muß sie im Stehen nur auf der Zehenspitze gestanden haben, aber das ist mir leider nie aufgefallen. Erst, als das Band nach einem längeren Spaziergang ganz gerissen ist und sie überhaupt nicht mehr auftrat, war die Diagnose eindeutig. Kreuzbandrisse sind nicht umbedingt sofort zu erkennen. Meist glaubt man, der Hund habe sich nur vertreten und läßt sich dadurch täuschen, daß der Hund, wenn einmal warm gelaufen, problemlos rennt. Aber die Schonung nach längerem Liegen und das Auffußen auf der Zehenspitze sind untrügliche Anzeichen. Auch der "Sitztest" ist sehr hilfreich, der Hunde streckt die betroffene Gliedmaße beim "Sitz" zur Seite, da die Beugung des Kniegelenkes Schmerzen verursacht. Unsere Hunde sind viel zäher als wir und ihr Überlebenswille zwingt sie, auch mit einer schwerwiegenden Verletzung noch zu jagen, daher ist eine Diagnose nicht immer so einfach. |
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Bei einem Kreuzbandriss ist eine OP unumgänglich. Es gibt verschiedene Methoden, zwei davon wurden bei Chica angewandt. Bei der ersten OP (Extrakapsuläre Technik nach Floh) das alte Band enfernt, zwei Löcher in den Knochen gebohrt und ein Ersatzband eingesetzt (aus Nylon, Draht oder körpereigenem Gewebe, um die Gefahr des Abstoßens zu verringern). Die Menisken wurden überprüft und das Bein komplett eingepackt. Dieser Verband mußte regelmäßig gewechselt, aber 10 Tage getragen werden. In diesen Tagen haben wir den Begriff "Gassi stehen" für uns geschaffen. Laufen war unmöglich und die Gefahr, das andere Bein zu Überlasten und dort eine Arthrose zu riskieren, war zu groß. Nach den 10 Tagen absoluter Schonung haben wir angefangen, 4 mal täglich kleine Runden von ca. 5 min zu drehen. Eine Geduldsprobe für Herr und Hund, wenn man vorher Stunden durch die Wälder gestreift ist (vor dem Unfall sind wir nach allen Aktivitäten des Tages noch "mal eben" 10 km gejoggt!). |
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Ich hatte damals wahnsinnige Angst, etwas falsch zu machen. Chica sollte wieder ganz gesund werden und meine größte Sorge war, daß das Ersatzband reißen würde. Jeder Hundebesitzer kann nachempfinden, daß einem das Herz stehen bleibt, wenn der kurzgehaltene, frisch operierte Hund neben einem her schleicht und blitzschnell auf die 1 m hohe Mauer neben einem springt ! In der 3 Woche sind wir in eine Rehaklinik gefahren. Chica war dort mehrere Male auf dem Unterwasserlaufband und ich habe mir Massagetechniken und Koordinationsübungen für das weitere Training zeigen lassen. Übungen unter Wasser sind sehr effektiv. Das verletzte Bein wird vollkommen entlastet und der Hund ist durch den Widerstand des Wassers gezwungen, Pfote für Pfote einzeln aufzusetzen und so die Muskeln aufzubauen. Derartige Behandlungen sind nicht billig und es gibt nicht viele Therapeuten, die Unterwasserlaufbänder anbieten. Da unsere OP im Sommer war, haben wir jede freie Minute genutzt, um ans Wasser zu fahren. Langsames Gehen im Wasser (der halbe Bauch sollte bedeckt sein) oder noch besser Schwimmen, haben die gleiche Wirkung, jedoch sind sie bedeutend günstiger und es macht viel mehr Spass. Wir haben die Zeiten langsam gesteigert. Die erste Woche 4x 5 min, dann 4x 10 min bis ich es nach fast 3 Monaten wieder gewagt habe, sie mit anderen Hunden spielen zu lassen. Ein großen Problem in dieser Zeit war, einen lauffreudigen Jäger sinnvoll zu beschäftigen. Chica war nur physisch krank und mußte ausgelastet werden. Einfachste Kunststückchen und Apportierübungen scheiterten daran, daß sie alles sofort, schnell und mit einer enormen Power machen wollte. Nicht sehr produktiv, wenn das Bein ruhig gehalten werden soll. Deshalb haben wir für uns für das Mäuse suchen entschieden. Es dauerte nicht lange, um sie darauf "umzustellen". Anfangs bin ich selbst ( gottlob hat mich keiner gesehen) langsam vorn übergebeugt über die Wiesen geschlichen und habe sehr interessiert getan. Da sie nicht weg konnte und das, was Frauchen da machte, sehr spannend war, sind wir dann gemeinsam durch die Mäusekolonien geschlichen und haben gesucht, gebuddelt und gefunden. Der große Vorteil: ein Hund, der die Nase am Boden hat und langsam geht, muß alle Viere benutzen und trainiert sich damit selbst. Mit der Nase zu jagen, voller Konzentration, ist enorm anstrengend für einen Hund. So waren 20 min Mäuse jagen mehr wert, als 45 min stur durch die Gegend laufen. Eine Bitte: Ich wohne selber auf dem Land und habe Pferde, laßt eure Hunde nur da buddeln, wo keine Tiere auf den Weiden laufen und : laßt euch nicht vom Bauern erwischen ! ;-) Nach diesen 3 Monaten war das Gröbste überstanden, Chica lief fast normal und es brauchte nur noch Zeit, um die Muskulatur wieder vollständig aufzubauen. Ab und zu verfiel sie noch in ihr altes Schema und lief auf 3 Beinen. Auch das müssen Hunde neu lernen, sich wieder vollkommen auf ihr Bein verlassen zu können.
Das eingesetzte Ersatzband dient lediglich dem Zweck, das Gelenk in der ersten Zeit zu stabilisieren. Es ist nicht für die Ewigkeit gedacht. Durch die entstandene Arthrose versucht der Organismus durch Zubildung von Bindegewebe den Prozeß zu stabilisieren. Ein operiertes Gelenk ist nach dem Ausheilen sichtbar dicker als das gesunde Knie, also kein Grund zur Beunruhigung, sofern dieses Gewebe fest ist.
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