Dummytraining

Bällchen werfen ist die eine Sache, anspruchsvolles Dummytraining etwas vollkommen anderes.

Viele haben einen Hund mit großem Beutetrieb und nutzen diese Veranlagung, um ihn mit langweiligem Ball werfen müde zu bekommen. Welche Gefahren jedoch dahinter stecken und was man seinem Hund damit zumutet, das ist den wenigsten bewußt.

Der Hund wiederholt x mal ein und dieselbe Aufgabe, ich degradiere mich damit zur seelenlosen Wurfmaschine und nicht wenige Hunde schmeissen einem den Ball vor die Füße und legen mit ihrem nervenden "Wirf du Depp, wirf, los mach, ..." los. Welch tolle Erfindung sind diese Wurflöffel, braucht man sich doch nicht einmal zu bücken, geschweige den angesabberten Ball anzufassen. Erfindungen für einfallslose, faule Menschen, die sich keine Gedanken über das Wesen Hund machen. Aber, es ist nie zu spät !!

Dummyarbeit heißt, mit dem Hund zu kooperieren. Frauchen gibt vor wo und was apportiert werden soll, Hund sucht, findet und bringt. Erfolg auf beiden Seiten und ein beschäftigter, glücklicher Partner Hund sind das Resultat. Kaum eine andere Beschäftigung erfordert so viel Teamwork, erfordert Geduld und Konzentration und erhöht die Bindung.

Ich kann hier nur Tipps für die allgemeinen Grundlagen erklären, besser ist es, ein Seminar, Kurs oder Einzelstunden zu buchen, um sich und den Hund individuell korrigieren und trainieren zu lassen.

Ideal ist ein Helfer für den Anfang, da man sich viel besser auf den Hund konzentrieren kann, es geht aber auch alleine. Man setze seinen Hund neben sich, beide haben die selbe Blickrichtung, in entsprechender Entfernung (anfangs 10-20 m, oder nur 5m je nach Hund) wird ein Dummy geworfen. Kurze Aufmerksamkeit vom Hund (anschauen), Spannung aufbauen (Konzentration auf den Dummy) und den Hund mit dem Kommando (Bring, Such, etc.) und der entsprechenden Körperhaltung (Blick und Körper zum Dummy, Hand voraus) hinschicken, falls nötig unterwegs motivieren. Sobald er am Dummy ist das erste Lob, nimmt er es auf noch mehr Lob, den Hund auf dem Rückweg regelrecht anfeuern und bei seiner Ankunft stolz lobend streicheln, dabei beiläufig den Dummy aus dem Maul nehmen. Nicht die Hand entgegenstrecken, laßt ihm seine Beute eine Minute, sonst kommt er entweder gar nicht oder spuckt es 1 m vorher aus. Sinn ist ja, daß er irgendwann vorsitzt und den Dummy auf Aus hergibt.

Kommt er nicht, rennt er an euch vorbei, rast er stolz mit dem Dummy über die Wiese, bespaßt er sich selber ? Das ist dann die unzensierte Wahrheit über eure Mensch-Hund-Beziehung ! ;-) Also mehr am Grundgehorsam arbeiten ...

Kommt er in dieser Situation nicht, dann bitte sobald er den Dummy aufnimmt weg vom Hund rennen, dabei fröhlich motivieren Loben, kommt er hinterher hinhocken, weg vom Hund drehen und "Spaß" vortäuschen, bis er von selber kommt. Dann natürlich Megalob und Dummy gegen Futter tauschen. Oft hilft auch ein Futterbeutel anstatt eines Dummies, dann verbindet der Hund das Bringen eher mit der angenehmen Belohnung.

Schritt 2: Hund im Wald absetzen, Dummy in den Wald legen lassen (oder selber wegbringen), kurze Aufmerksamkeit und Hund mit Wort und Gestik hinschicken (aber bitte motivierend, nicht ein langweiliges "Such"). Vorher oder derweil der Hund sucht unauffällig einen zweiten Dummy in die entgegengesetzte Richtung in den Wald werfen. Bringen und abgeben des ersten Dummies wie oben. Dann setzen wir unseren Hund wieder neben uns, mit Blickrichtung Dummy 2. Kurze Aufmerksamkeit und den Hund in den Wald schicken. Da der Hund nicht weiß, daß hier ein Dummy liegt, muß die Motivation entsprechend sein und ich sehr überzeugend. Der Hund wird suchen und mit entsprechender Freude für diese Arbeit gelobt. Der erste Schritt zum Einweisen ist getan. Dies Schritt für Schritt steigern, so lernt der Hund, sich auf euch zu verlassen (ihr schickt ihn ja immer zum Erfolg) und Frauchens Anweisungen (Richtungsvorgaben) genau zu folgen.

 

Nächste Variante, neuer Schwierigkeitsgrad:

 

Hund

 

Dummy1

 
Dummy2

 

Halter
 

Abstand Hund und Dummy je 10 m, zwischen Hund und Halter ca. 3 m, beide blicken sich an, der Hund weiß, wo die Dummies liegen. Aufmerksamkeit vom Hund holen, Spannung aufbauen, Konzentration auf Dummy 1 und den Hund mit übertriebener Körpergeste und einem anfeuernden "Hol´s" zu Dummy 1 schicken. Während der Hund zum ersten Dummy läuft, ihm den Weg zum zweiten versperren (einen Schritt vorgehen) und den ersten in Empfang nehmen. Wieder Grundposition einnehmen, Dummy 1 zurücklegen oder verstecken (Tasche, nieeee auf den Boden legen) und den Hund zu Dummy2 schicken. Sprintet der Hund ohne Kommando zu den Dummies, zwei Helfer positionieren, welche die Dummies aufnehmen, bevor der Hund ankommt !(Ungehorsam = null Erfolg)

Eine wunderbare Konzentrationsübung, bei der der Hund vollkommen auf seinen Menschen achten muß. Er muß ihn lesen und auf sein Kommando warten (Impulskontrolle, Selbstbeherrschung), muß mit ihm zusammenarbeiten, nur dann haben sie gemeinsam Erfolg.

Aus diesen Grundlagen kann man endlose Varianten ableiten, bis hin zu 10 sichtbaren oder versteckten Dummies, die der Hund in vorgegebener Reihenfolge abarbeiten muß. Eine sehr gute Übung ist es, den Hund auf dem Weg zum Dummy ins Platz zu rufen und dann erst weiter zu schicken - aber bitte erst alles einzeln üben. Ebenso kann man die Dummies hochhängen oder eingraben, zwei hintereinander legen, das erste verneinen und das hintere bringen lassen. Ein perfekter Hund (nach langem Training) läßt sich so mit Handzeichen und Kommandos über eine lange Distanz zu einem Dummy leiten, gegenseitiges Vertrauen, Verständnis und eine gute Beziehung vorausgesetzt.

Viel Spaß beim Üben ...