Jagdleidenschaft
Hilfe, mein Hund jagt
! Wenn wir draussen unterwegs sind, beachtet er mich nicht ! Wehe, wenn
er losgelassen...
Kennen wir das nicht
alle ?
Mit welch beneidenswertem
Blick schaut man zu den Boxer- und Aussie-Besitzern hinüber, die
angeregt plaudernd durch den Wald laufen und ihren Hund kaum beachten,
derweil dieser immer in Frauchens Nähe rumstromert. Wie oft habe
ich meine Toele verflucht, hin- und hergerissen zwischen Wut und Sorge,
während ich mutterseelenalleine am Waldrand stand, von Hundi keine
Spur...
Das muß aber
nicht immer so bleiben. In jedem Hund steckt ein Jäger, in einigen
mehr, in anderen weniger. Man kann diesen, wie der Name schon sagt,
Trieb nicht abtrainieren, aber man kann es schaffen, den Hund zu
90% unter Kontrolle zu bringen. Wer behauptet, sein Hund höre
100%, der hat bisher einfach Glück gehabt und dem möchte
ich die 10% nicht wünschen,
wenn eine Hauptstraße in der Nähe ist.
Je stärker der
Trieb ausgeprägt ist und je mehr Erfolg der Hund bisher hatte,
desto mehr braucht man 3 Dinge:
Geduld, Ausdauer und Konsequenz !
Die unumstritten erfolgreichste
Methode und die Basis jeglichen Freilauftrainings ist der Einsatz einer
Schleppleine. Ja, es hat Nachteile. Jeder verflucht sämtliche Baumwurzeln,
an denen sich die Leine verfängt und ehemals begeisterte Mitgassigänger
winken bei nassem Wetter dankend ab, zu schlecht ist die Erinnerung an
die Dreckstreifen an den Hosenbeinen. Man sieht aus wie ein Schwein und
vor allem legt man anfangs nicht geradezu Kilometer zurück. Aber
Durchhalten ist angesagt, denn: Nichts ist so entspannend und macht stolz
und glücklich, wenn man am Ende eines Spaziergangs feststellt, daß
man die Leine vergessen hat !
|
|
Schleppleinentraining
und sonstige ...
Wenn man mit dem Training
beginnt, muß man sich darüber im Klaren sein, daß der
Hund bis zur vollständigen Ausbildung niemals draussen die Chance
haben darf, jagen zu gehen oder ein Kommando folgenlos zu mißachten.
Schleppleinentraining ist keine Übung, die man 3x die Woche für
eine halbe Stunde macht. Jeder Spaziergang wird mit Leine gegangen und
der Hund sollte prinzipiell nie an dieser ziehen (dafür gibt es Flexis
;-) !!).
Ich möchte hier
nicht den kompletten Ablauf eines Schleppleinentrainings beschreiben,
der ist auf genügend anderen Seiten nachzulesen. Ich möchte
lediglich ein paar Tips aus meiner eigenen Erfahrung geben.
Der Hund sollte ein gut passendes Geschirr tragen (mit Halsband tritt
er sich ständig in die Leine und die Kräfte wirken beim Ziehen
voll auf die Halswirbelsäule) und man beginnt immer mit einer 5 m
Leine. Der Hund ist in unmittelbarer Nähe und er kann anfangs schnell
korrigiert werden. Die Leine wird immer wird locker gehalten und nach
Bedarf kürzer genommen oder nachgegeben.
Bitte nicht einfach
auf dem Boden schleifen lassen, denn:
- läuft der Hund an einer
5m Leine hinter uns und sprintet bei einer Katze los, hat er 10m
Anlauf und rennt mit voller Wucht in die Leine, sehr unangenehm
für beide Seiten.
|
- die Zeit von der Ausführung
des Kommandos bis zur evtl. nötigen Korrektur dauert zu lange.
Bei kurz gehaltener Leine kann ich sofort reagieren.
|
- die Leine verheddert sich
nicht ständig
|
- die Verletzungsgefahr der
Hände ist bei schleppenden Leinen zu groß
|
Der Sinn besteht darin,
die volle Aufmerksamkeit des Hundes zu bekommen. Er soll seinen "Führer"
jederzeit im Auge haben, Richtung- und Geschwindigkeitswechsel mitmachen
und immer ansprechbar sein. Der Hund soll einen aber nicht ständig
anschauen, sondern nur ansprechbar und aufmerksam sein – ein Ohr
in meine Richtung, ein leichtes Drehen des Kopfes um mich zu sehen reicht
da völig ! Erst, wenn alles an der kurzen Leine klappt, wechselt
man zur 10m, 15m, ... Leine.
Empfohlen wird zu Anfang
die Richtung zu wechseln, sobald der Hund vortrabt und im Begriff ist,
in die Leine zu laufen. Jedoch hat diese veraltete Methode einige Nachteile:
Hat der Hund erstmal seine Einschränkung begriffen, wird dies langweilig
und der er kommt zwar kurz zurück, sprintet jedoch beim nächsten
Wechsel sofort wieder vor. Blöd sind sie ja nicht und wohin es im
Endeffekt geht, weiß jeder. Also anstandshalber kurz zurück
zu Frauchen und dann wieder in die gewünschte Richtung. Das wird
frustrierend, keiner ist glücklich und man braucht für 1000
m Weg eine Stunde.
Bei einem kommunikativen, hundefreundliches Schleppleinentraining läßt
man den Hund nicht blind in die Leine rennen, sondern spricht ihn rechtzeitig
an – schließlich wollen wir einen ansprechbaren, kommunikationsbereiten
Hund, keinen Roboter, der uns ständig anstarrt. Ein kurzes „Hier
lang“ und dann die Richtung gewechselt, bei ignoranten Hunden kurz
leicht an der Leine gezupft um sie aufmerksam zu machen. Ich bin nach
einiger Zeit zu einem leisen „durch die Zähne pfeiffen“
übergegangen, was die Hunde aufmerksam werden läßt, da
es immer eine neue Aktion verspricht. Auf den Pfiff folgt nie ein verbales
Kommando, sondern immer eine körpersprachliche Geste, so ist der
Hund gezwungen zu mir zu schauen. Da ein laufen an der SL langweilig ist,
reagieren die Hunde relativ schnell auf diese leise Kommunikation, da
sie Abwechslung verspricht. Ein vorher an der kurzen Leine geübtes
„Langsam“ ist hier hilfreich, auch Kommandos wie „Warte“
und „Steh“ erleichtern das Training.
Anfangs wird der Hund für jeden richtigen Schritt, jede Aufmerksamkeit
(Blickkontakt) gelobt und belohnt. Entsprechend der Situation wird variabel
belohnt (Futter, Stimme, Spielzeug oder einfach mal Rumtoben).
Bei meinen Hunden ist eigenständiges Verlassen des Weges tabu und
Wald und Feld werden nur mit meiner Erlaubnis betreten (das funktioniert,
aber es dauert !). Also sah der Richtungswechsel bei uns so aus, daß
ICH in den Wald oder auf die Wiese (Mäuse suchen) gegangen bin. Die
Hunde begreifen sehr schnell, daß sie nur durch unsere Aufforderung
in interessante und spannende Gebiete kommen, also achten sie vermehrt
auf unsere Bewegung, um den "Startschuss" für die (Ersatz-)Jagd
nicht zu verpassen. Im Wald läßt sich auch die Aufmerksamkeit
hervorragend trainieren. Ein Hund, der blind zwischen den Bäumen
herläuft, hängt ziemlich schnell fest. Es ist nur eine Frage
der Zeit (und unserer Geduld), bis er verstanden hat, daß er der
Leine und somit uns folgen muß, um vorwärts zu kommen. Wenn
er das einmal begriffen hat, kann man (freudiges Quieken nicht vergessen
;-)) im Slalom durch den Wald sprinten, hat einen begeisterten, aufmerksamen
Hund neben sich und seinen eigenen Agilityparcour.
Nachdem die wichtigsten Dinge an der Leine sitzen und der Hund auch auf
(10m) Entfernung ins Platz zu rufen ist, sollte man dies ab und zu mit
vollkommen aufgeregter, fast panikartiger Stimme machen, oder befehlend
Schreien. Der Hund wird natürlich nach dem Grund der Unruhe Ausschau
halten, nichts entdecken und sich erst dann hinlegen, aber er verinnerlicht,
daß die Tonart vollkommen unbedeutend ist und das Kommando konsequent
ausgeführt werden muß. Erst dann gibt es die Belohnung und
man läuft weiter. Wozu ? Wer bitteschön bleibt später vollkommen
gelassen, wenn man im Augenwinkel als erster den Hasen entdeckt, oder
der beste Spielkamerad auf der anderen Strassenseite auftaucht ? Jegliche
Tonänderung läßt den Hund dann aufmerksam werden und er
will lieber wissen, warum wir uns aufregen, das Kommando ist dann zweitrangig.
Auch die Einführung eines "Superwortes" kann in manchen
Fällen lebensrettend sein. Was man nimmt ist völlig egal, von
"japadapaduu" bis "hussassa" ist alles erlaubt, es
sollte nur nie im normalen Sprachgebrauch vorkommen. Das Training ist
ziemlich einfach. Beim täglichen Spaziergang springt man vollkommen
begeistert und unter Rufen des Wortes auf eine beliebige Stelle (z.B.
Baumstamm), läßt vom Hund unbemerkt ein Supermegaleckerli fallen
und zeigt dem Hund den tollen Fund, den er natürlich fressen darf.
Der Hund ist begeistert von Frauchens Jagdqualitäten und wird, wenn
man das gleiche wiederholt, ohne zu zögern herbei eilen. Zumal er
ja nie so eine kapitale Beute von alleine findet ! Allerdings sollte man
sehr sparsam mit dessen Gebrauch umgehen, 2 - 3 mal die Woche reicht,
es soll ja spannend bleiben.
Wenn man nur mit seinem Hund
lustlos durch den Wald trabt, ist das für beide furchtbar langweilig.
Der Hund ist nicht ausgelastet und wird sich früher oder später
den verlockenden Wildspuren widmen. Aber Sinn ist ja, gemeinsam mit dem
Hund auf die Jagd zu gehen. Nur was gejagt wird, sollten wir bestimmen.
Es gibt so viele Möglichkeiten, einen Hund zu beschäftigen und
wenn man ihm die belanglosesten Dinge, wie auf Kommando einen Baum zu
umrunden beibringt. Ob Sitz oder Pfötchen geben, wo ist der Unterschied
für den Hund ? Beides sind Kommandos, für deren Ausführung
er gelobt wird und die ein Lächeln in Frauchens Gesicht zaubern.
Das ist entscheidend und nicht der Sinn der Übung.
Einfach
mal dem Hund ein freudiges "Schau mal ! und Such !" zurufen
und dabei ein Frolic (die rollen so gut) über den Weg kullern, welches
er dann hetzen, im Gras aufstöbern und fressen darf. Kleine Dinge,
die den Hund fordern (ein rollendes Frolic sieht der Hund sehr gut, liegt
es aber, kann ein Hundeauge es nicht im Gras erkennen und er muß
die Nase einsetzen) und seine Aufmerksamkeit auf uns lenken.
Hundetraining hört
nie auf und wer einen Jagdhund hat, wird niemals entspannt durch den
Wald laufen können. Jede Unaufmerksamkeit wird schamlos ausgenutzt.
In wildreichen Gebieten und zu Dämmerungszeiten sollte der Hund
an die Leine, man sollte sein Schicksal nicht heraus fordern !
Man kann den Hund nur
verlässlich abrufen, wenn man ihn beobachtet und den Moment erwischt,
BEVOR er zur Verfolgung ansetzt. Sollte man den Augenblick verpassen und
wissen, daß Rufen keine Chance hat - laßt es sein. So lernt
der Hund nur, daß er das Kommando ohne Folgen ignorieren kann. Wenn
er von der Hatz zurückkommt komplett ignorieren (Brauchst du mich
nicht, brauch ich dich auch nicht!) kommentarlos weitergehen oder anleinen.
Die nächsten Tage ist dann vermehrtes Schleppleinentraining angesagt
und vor allem: Man lernt aus seinem eigenen Fehler und hat mit Sicherheit
bei nächsten Freilauf ein Auge immer bei seinem Hund.
Kleiner Tipp: Für
meine Hündin war es unendlich schwer, den Hasen ziehen zu lassen
und zu mir zu kommen. Da sie aber das Sitz in Perfektion beherrscht, war
das unsere Lösung. Sobald sie etwas erblickt kommt ein "Sitz"
und sofort ein Lob. Sie kann dem Hasen hinterherschauen, verliert ihn
also nicht aus den Augen, bleibt aber sitzen. Das ist ihr Anfangs bedeutend
leichter gefallen, als sich von dem fliehenden Tier abzuwenden und zu
mir zu kommen.
Ist man mit mehreren
Hunden unterwegs, kann man kleine Gehorsamkeitsübungen einbauen.
Alle Hunde werden nebeneinander abgelegt und einzeln abgerufen. Oder voraus
geschickt und müssen einzeln abliegen. Bis hin zum Ball werfen und
nur einer darf folgen, der Rest muß liegen bleiben (Stufe 3 !!).
Auch die Hunde hintereinander legen und zuerst den hintersten abrufen,
... es gibt 1000 Möglichkeiten für "Mal eben zwischendurch".
Nur
sollte man von einem Galgo nicht erwarten, daß er sich ins Nasse
legt ! ;-)
|
Jagdtraining
für Fortgeschrittene
Vorraussetzung
ist natürlich, daß man ein erfolgreiches Schleppleinentraining
absolviert hat und den Hund in jeder Situation abrufen kann. Ich habe
einen Hund, der durch und durch Jäger und für nichts anderes
so richtig zu begeistern ist. Die üblichen Apportierspiele, "Frolic
jagen", verstecken, etc. sind ihr zu langweilig und selbst nach 3
Stunden joggen kommt der fragende Blick: "Was machen wir jetzt ?".
Und unter uns, wer legt Alltags eine Fährte für seinen Hund
? Also mußte ein neues Hobby her und da ich nunmal einen Jagdhund
habe, gab es nur eine Möglichkeit: Wir jagen gemeinsam !
Eigentlich
dürfte ich das gar nicht öffentlich schreiben, aber wir jagen
lebende Tiere. Stop, bitte erst weiterlesen ! Wir haben uns etwas ausgesucht,
was man wirklich suchen muß, was sehr flink ist und (bisher) nie
zu fassen ist : Eichhörnchen (Der Verband deutscher Eichhörnchenfreunde
möge mir verzeihen).
Das Ganze
sieht folgendermaßen aus :
Nach der üblichen
Aufwärmrunde suche ich mir einen lichten, überschaubaren Laubwald
mit dicht stehenden Bäumen (mein Hund soll es ja niemals fassen können)
und wechsel vom Weg mitten hinein (Jagdkommando nicht vergessen!). Da
mein Hund bisher gelernt hat, daß Rehe, Hasen und Katzen tabu sind,
hält sie natürlich Ausschau nach allem was da kreucht und fleucht.
Anfangs hab ich sie auch von Eichhörnchen abgerufen, aber irgendwann
angefangen, statt "Nein" "Lauf" zu rufen. Ich habe
sie regelrecht angefeuert und wahnsinnig gelobt, als sie das Erste auf
den Baum gejagt hat. Unser Ziel ist, den Waldboden frei zu halten, nicht
ein Tier zu erwischen und es wohlmöglich zu töten. Also belohne
ich das auf den Baum hetzen ! Leider hatten wir mal ein suizidgefährdetes
Kamikazeeichhorn, das sich auf einen Zaunpfahl gerettet hat. Aber selbst
da reichte ein Sitz und sofortiges Lob und das Kleine kam mit dem Schrecken
davon.
Sinn meines
Jagdspiels ist, dem Hund zu vermitteln, daß ich die Jagd nicht nur
eröffne, sondern auch entscheide, was gejagd wird !
Wenn wir in
den Wald abdriften, ist mein Hund hochkonzentriert, jederzeit sprungbereit
und achtet dennoch genaustens auf mich. Ich kann versichern, nach nur
15 min höchster Anspannung ist der Hund geistig und körperlich
so weit ausgelastet, daß auf dem weiteren Spaziergang ein lockeres
"Das nicht" reicht, um ein Kaninchen links liegen zu lassen.
Natürlich
ist es ein Spiel mit dem Feuer und Bedingung ist, daß der Hund gelernt
hat mit mir zu jagen und verläßlich hört. Aber wenn man
soweit ist, hat man einen Hund, der bei der Entscheidung was zu jagen
ist seinem "Rudelführer" vertraut und der diesen überglücklichen
Gesichtsausdruck hat, wenn er mit hängender Zunge neben einem nach
Hause trottet.
|